Eine wundersame Heilung und der große Mut eines der bedeutendsten Äbte aus Garsten in Oberösterreich führten zum Bau der Wallfahrtskirche „Zum gnadenreichen Christkindl“ im „Baum unterm Himmel“. Im Jahr 1725 wurde sie geweiht und 1787 wurde Christkindl zur eigenständigen Pfarre erhoben. Durch die Einrichtung des Weihnachtspostamtes Christkindl im Jahr 1950 trug die Österreichische Post dazu bei, dass das kleine Barockjuwel in aller Welt bekannt wurde.
Dem allem ging aber die Geschichte des Ferdinand Sertl voraus. Sertl war Kapellmeister und Betreuer der Feuerwache und lebte im 17. Jahrhundert in Steyr in Oberösterreich. Da er an Fallsucht (Epilepsie) litt, war er nicht gerne unter Menschen. In einem kleinen Wald am Rand der felsigen Hochterrasse des Steyrufers in der Ortschaft Himmel fand er einen Platz um alleine zu sein. Tiefgläubig wie er war, befestigte er dort an einem Fichtenstamm ein Bild der Heiligen Familie. Vor diesem Bild hielt er seine persönliche Andacht und betete um Gesundung.
1695 oder 1696, genaueres ist nicht bekannt, kaufte er ein kleines, aus Wachs geformtes Christkindl und versteckte es im selben Baum, in einer von ihm selbst gestemmten Höhle. Sertl pilgerte nun mehrmals wöchentlich dorthin – und siehe da: seine epileptischen Anfälle ließen nach und hörten schließlich überhaupt auf. Dies schrieb der fromme Mann seinen Andachten vor dem Christkindl zu. Da dies auch im Ort bekannt war, wurde 1699 um den Baum eine hölzerne Kapelle errichtet.
Im gleichen Jahr berichtete Abt Anselm Angerer von Garsten (1683 – 1715) dem Bischof von Passau, dass die Menschen in stetig wachsender Zahl von weither zum Christkindl wallfahrten kämen und deshalb der Bau einer Kirche notwendig wäre. Da der Abt ein Mann der Tat war, ließ er den Bau bereits 1702 nach den Plänen von Giovanni Battista – und noch ohne Genehmigung – beginnen. Er wurde jedoch 1703 gestoppt.
Erst am 16. April 1708 bekam Abt Anselm die lang ersehnte Bewilligung, weiterbauen zu dürfen. Sie kam für den im gleichen Jahr verstorbenen Carlone aber zu spät. Der Verbleib der Wallfahrt an ihrem Ursprung war aber gesichert und die Kirche wurde von Jacob Prandtauer vollendet. Im Jahr 1725 wurde sie geweiht.
Der freistehende Hochaltar, entworfen von Prandtauer und geschnitzt 1720 von Leonhard Sattler, enthält als Kernstück den ursprünglichen Fichtenstamm und ist ein einzigartiges Werk des österreichischen Barock. Um den Baum rankt sich ein Wolkengebilde mit einem offenen Himmel, umgeben von Engelsfiguren. Bemerkenswert ist auch der Tabernakel des Altars, der als Erdball gestaltet ist und die einzelnen Erdteile im Relief zeigt.
Die Wallfahrt in Christkindl wurde nur durch das Wallfahrtsverbot Josephs II. unterbrochen. 1787 wurde Christkindl zur selbständigen Pfarre erhoben. Unter Pfarrer Professor Alois Dinböck wurde die Renovierung von Pfarrhof und Kirche in Angriff genommen. 1979 war die Außenrestaurierung abgeschlossen, 1985 die bisher umfassendste Innenrenovierung.